Jennifer Rodriguez - deutschdeutschJennifer Rodriguez - danskdansk
Presse

Flensburger Tageblatt 03.05.2008

Jennifers Kampf auf Leben und Tod

Jennifer Rodriguez

Jennifer Rodriguez

Happy End: Jennifer Rodriguez hat die Leukämie besiegt – im Hintergrund einige von vielen Helfern: Anja Pfaff, Thomas Nolte, Ute Boesche-Seefeldt und Frank Huber (v.l.) Foto: Staudt

Vor einem Jahre vom Tod gezeichnet, heute kerngesund: Die Auslandsstudentin Jennifer Rodriguez hat die Leukämie besiegt – auch dank der Hilfe vieler unserer Leser.

Flensburg

– Jennifer Rodriguez ist wieder da, wo sie hin gehört. Mitten im Leben. Die 23 Jahre alte kolumbianische Auslandsstudentin war in Flensburg in einen Albtraum getaumelt: Im Oktober 2006 erkrankte sie an Leukämie, Anfang 2007 kündigte ihr die Krankenkasse den Vertrag, vor einem Jahr schien ihre Zukunft zu Ende. Doch nach einem Bericht unserer Zeitung gaben hilfreiche Menschen dem Schicksal eine Wende. Durch Spenden in einer Größenordnung von über 32 000 Euro konnten ihre medizinische Versorgung und ihr wirtschaftliches Überleben gesichert werden. Ein Jahr danach hat die junge Frau in Flensburg das rettende Ufer erreicht. "Ich bin wieder gesund!"

Und dieses Mal strahlt sie wirklich. Diese Jennifer Rodriguez hat keine Ähnlichkeit mit der todkranken jungen Frau, für die der Flensburger Frank Huber in einem Akt der Verzweiflung eine Hilfsaktion ins Leben rufen wollte. "Ich hatte eigentlich keine so großen Hoffnungen", sagt Huber. Doch das Schicksal der Latina bewegte viele. Der Umstand, dass die junge Frau in dem Moment von der Würzburger Versicherungs-AG im Stich gelassen wurde, als sie Hilfe am dringendsten brauchte, mobilisierte eine Hilfsbereitschaft, die Huber nicht erwartet hatte. Kurze Zeit nach dem Bericht verknüpfte der Freund und Helfer das eigene Netzwerk im Bereich Angeln mit den Möglichkeiten des Kirchenkreises Flensburg. Ute Boesche-Seefeldt von der Migrationsstelle des Diakonischen Werks und Pastorin Anja Pfaff kamen mit ins Boot und koordinierten die Hilfe. Mitte vergangenen Jahres war zwar immer noch niemand bereit, die medizinische Nachsorge der Patientin zu versichern – aber dank der großen Spendenbereitschaft war Jennifer Rodriguez alle materiellen Sorgen los. "Das hat viel in ihr bewirkt", sagt Huber. "Es ist ein unglaublich sicheres Gefühl, wenn Du Dich um Brot, Miete und Behandlungskosten nicht mehr zu kümmern brauchst."

Die zierliche junge Frau ist eine Kämpfernatur. "Die Ärzte sprechen von einem Wunder", sagt sie. In der Tat verlor die Kolumbianerin keine Zeit. Im Herbst vergangenen Jahres beendete sie das für die Aufnahme ihres Studiums erforderliche Kolleg in Kiel mit Erfolg, im März schrieb sie sich für das Fach Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule in Flensburg ein – und ist seither als Studentin auch wieder krankenversichert. Die Ärzte der Kieler Milderd-Scheel-Klinik sehen sie seit Dezember 2007 nicht mehr. Die Nachuntersuchungen sind abgeschlossen, Jennifer Rodriguez hat die Leukämie besiegt.

Auch wenn es zurzeit fast nur aus Büffeln besteht: Jennifer genießt das Leben in vollen Zügen. Vor einem Jahr war sie an ihre Wohnung gefesselt, jeder Infekt hätte dem geschwächten Immunsystem den k.o.-Schlag versetzen können. "Jetzt kann ich wieder unter die Menschen gehen", freut sie sich. "Wann immer ich will."

Nicht nur die Patientin und Freund Frank Huber, auch das Team des Kirchenkreises freut sich über das Happy End. Ute Bösche-Seefeld, Anja Pfaff und Frank Huber hatten in der Vergangenheit die Finanzen koordiniert. Nach dem Kassensturz ist immer noch genügend Geld da, um die Studentin über die nächste, vielleicht sogar die übernächste Runde zu bringen. "Das Ausländeramt verlangt Leistungsnachweise und finanzielle Sicherheiten auf einem Treuhänderkonto", sagt Boesche-Seefeldt. 3500 Euro muss die Auslandsstudentin vorlegen, um ein Semester studieren zu dürfen – und solange Jennifer Rodriguez noch nicht in der Lage ist, ihren Deutschland-Aufenthalt wieder durch eigene Arbeit zu finanzieren, sei auch dies eine große Sicherheit. "Ohne all die Spender und Helfer wäre das alles nicht möglich gewesen", sagt Anja Pfaff. "Ein gutes Netzwerk, ein starkes Bündnis", freut sich Diakonie-Pastor Thomas Nolte. "Gott sei Dank, kann man da nur sagen."

Holger OHLSEN

Flensburger Tageblatt 19. 07. 2007

Noch keine Kasse für Leukämie-Kranke

Jennifer Rodriguez: Erster Antrag abgelehnt

Flensburg / ho

Die Zukunft der an Leukämie erkrankten Auslandsstudentin Jennifer Rodriguez ist weiter ungewiss. Die Migrationsberaterin des Diakonischen Werkes, Ute Boesche-Seefeldt, hatte mit ihrem Antrag bei der Würzburger Versicherungs AG kein Glück: Die Krankenversicherung, die der 21-Jährigen nach deren plötzlicher Erkrankung den Versicherungsschutz aufkündigte, wird sie auch nach der neuen Gesetzlage nicht aufnehmen, sagte Boesche-Seefeldt.

Nach einer juristischen Prüfung werden die Chancen, den Versicherungsanspruch auf rechtlichem Wege einzuklagen, schlecht eingeschätzt. "Wir haben es mit einer außerordentlich verwickelten Ausgangssituation zu tun", meint die DW-Mitarbeiterin. Das Problem besteht in der Zeit. Anfang August läuft das Visum der kolumbianischen Studentin ab - und ohne Versicherungsschutz sind die Chancen schlecht, dass es eine Verlängerung gibt. Für Jennifer Rodriguez ist zurzeit der Flensburger Rechtsanwalt Heiner Petrowitz tätig, der mit Boesche-Seefeldt die offene Frage der Krankenversicherung zu lösen versucht. "Wir haben neue Anträge gestellt", sagt Petrowitz. "Jetzt müssen wir abwarten, was geschieht."

Zum Glück hat die nach unserer ersten Veröffentlichung einsetzende Welle der Hilfsbereitschaft wenigstens kurzfristig für Sicherheit gesorgt. Für die laufende medizinische Versorgung und auch für die laufenden Lebenskosten sind so gesorgt. Allerdings, so Boesche-Seefeldt, steht die Rechnung der Kieler Fachklinik noch aus.

Näheres unter www.jennifer-hilfe.de

Flensburger Tageblatt 08. 06. 2007

Heller Silberstreif für Jennifer

Spendenbereitschaft für Leukämiekranke weiterhin groß

Flensburg / ho

Für Leukämie-Patientin Jennifer Rodriguez bleibt es beim Silberstreif am Horizont. Die befürchtete Ausweisung der Studentin nach Ablauf ihres Visums im August ist nicht zu befürchten – und auch die Spendenbereitschaft ist ungebrochen. Zurzeit befinden sich 13 000 Euro auf dem Spendenkonto.

Dr. med Anja Aldenhoff-Zöllner, Sprecherin der Kieler Universitätsklinik, sorgte für erstes Durchatmen. Befürchtungen der Patientin, dass die Kostenübernahme für die Therapie je ein Problem werden könnte, seien völlig unbegründet. "Bei dieser Patientin handelt sich um einen Menschen, der durch besondere Umstände durch viele Maschen gefallen ist", so die Medizinerin. "Nach wie vor gibt es Unklarheiten - aber das wird niemals dazu führen, dass wir die Behandlung abbrechen, nur weil unklar ist, wer die Kosten übernimmt. Das wäre wider alle Ethik!"

Ute Boesche-Seefeld vom Diakonischen Werk hat unterdessen die Aufnahme in die Private Krankenversicherung beantragt. Und zwar bei der Würzburger Versicherungs AG - jene Kasse, die nach der schweren Erkrankung der jungen Frau die Notbremse zog und von ihrer Kündigungsoption Gebrauch machte. Boesche-Seefeldt ist optimistisch. "Nach der neuen Gesetzeslage muss die Versicherung Jennifer wieder aufnehmen, Wir hoffen, dass es reibungslos funktioniert und wir nicht noch auf den Rechtsweg müssen." Im positiven Fall wären die weiteren Kosten der Behandlung gedeckt - für ein Quartal allerdings müsste die junge Frau ihre Behandlungskosten selbst tragen.

Aus der Portokasse dürfte das nicht zu zahlen sein. Aldenhoff-Zöllner beziffert die monatlichen Kosten nach einer Rückenmarkstransplantation auf bis zu 20 000 Euro. Nicht zuletzt deswegen ist Ute Boesche-Seefeldt dankbar für die große Spendenbereitschaft. "Der Bedarf wird bleiben," sagt sie. "Auch wenn die Behandlungskosten demnächst wieder übernommen werden – Jennifer Rodriguez ist arbeitsunfähig und wegen ihres besonderen Status als Auslandsstudentin kein Fall für staatliche Hilfen."

Hilfreich ist allemal die Mitteilung der Stadt, dass ihre Ausländerbehörde mit Blick auf das im August ablaufende Visum keine Abschiebung plant. Rathaussprecher Thomas Hansen stellte eindeutig fest: "Bei uns läuft nichts!"

Inzwischen gibt es auf Initiative des Glücksburgers Reimer Backen auch eine Internetseite, die noch im Aufbau ist.

www.jennifer-hilfe.de

Spendenkonto

Der Flensburger Frank Huber hatte vor zwei Wochen die Spendenaktion für Jennifer Rodriguez angeschoben. Dass sie so schnell so erfolgreich sein würde, hatte er nicht erwartet. "Jetzt wird es langsam zu groß für mich", sagt er. Er gibt die Koordination an den Kirchenkreis ab, der ab sofort auch Spendenquittungen ausstellen kann. Konto 170 68002 bei der Flensburger Sparkasse (BLZ 21550050), Betreffzeile: Jennifer


Flensburger Tageblatt 01. 06. 2007

Welle der Hilfsbereitschaft für Jennifer Rodriguez

Leukämiekranke Studentin darf auf Rückkehr in die Krankenversicherung hoffen

Frank Huber wurde überwältigt. Am Tag nach unserer Berichterstattung über das Schicksal der an Leukämie erkrankten kolumbianischen Studentin Jennifer Rodriguez stand das Telefon nicht mehr still. "Mit so viel Hilfsbereitschaft und Anteilnahme hatten wir nicht gerechnet", sagt er.

Flensburg / ho

Gestern Mittag waren auf dem Spendenkonto Jennifer über 6000 Euro eingegangen. "Es ist einfach toll, was hier passiert", strahlt Huber. "Ein Mann aus Harrislee spendete 2000 Euro, die Friedheimschule möchte Sammeldosen aufstellen, es gibt viele ältere und sicher nicht gut betuchte Menschen, die mit kleinen Beträgen helfen."

Mittlerweile ist Jennifer Rodriguez dank der Spenden der ersten Sorgen ledig. Ihre Besuche im Dr. Mildred-Scheel-Haus der Kieler Uni-Klinik kann sie wieder wöchentlich machen. Zuvor war sie aus Kostengründen nur jede zweite oder gar dritte Woche dort zur Untersuchung gewesen. Auch das Dach über dem Kopf wird sie behalten. "Da waren Mietrückstände aufgelaufen, die wir jetzt begleichen konnten", sagt Huber. Als Auslandsstudentin hatte Jennifer bis zu ihrer Erkrankung ihren Aufenthalt in Deutschland selbst erwirtschaftet. Abends und nachts kellnerte sie in Flensburger Kneipen und Klubs, tagsüber wurde gebüffelt. Weil sie zu geschwächt ist, um eine Arbeit auszuüben, war auch diese Lebensgrundlage komplett weggebrochen. Frank Huber weiß selbst nicht, was finanziell weiter auf die Patientin zukommt. "Wir haben keine Ahnung, wie hoch die Rechnung der Universitätsklinik sein wird. Es sind ja nicht nur die Medikamente, die Geld kosten – Ärzte arbeiten auch nicht umsonst. Es ist wohl so, das zurzeit noch Bedarf an Unterstützung vorhanden ist."

Die Kosten von Leukämiebehandlungen bewegen sich schnell im sechsstelligen Bereich – aber wahrscheinlich muss dieser Betrag nicht durch Spenden abgesichert werden. Auch der Verbraucherverein Flensburg hatte den Fall der Kolumbianerin diskutiert – mit einem überraschenden Ergebnis: "Das ist ein klassischer Fall für die Gesundheitsreform", sagt Fachberater Helge Kühl. Nach der neuen Gesetzeslage seien die Kassen verpflichtet, ehemalige Versicherte aufzunehmen. "Ich würde empfehlen, sich noch heute bei einer gesetzlichen Kasse anzumelden", sagt Kühl. Eine gleich lautende Auskunft hat Jennifer Rodriguez auch vom Diakonischen Werk bekommen. Ute Boesche-Seefeldt eröffnete darüberhinaus eine Option, eventuell über das evangelische Studentenwerk eine Förderung zu bekommen. "Das reicht natürlich nie, um die Kosten einer Behandlung abzudecken – aber der Lebensunterhalt von Frau Rodriguez wird auf Grund der Erkrankung sicher noch einige Zeit schwer zu bestreiten sein."

Spendenkonto Jennifer (KtoNr. 638 709949) Hypovereinsbank (BLZ 200 300 00). Nähere Auskünfte bei Frank Huber Tel. 0461/50 90451 (mobil 0175 520 42 22).

nach oben