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März 2008: Jennifer Rodriguez auf gutem Wege

Flensburger Tageblatt 27. 05. 2007 / ho

Leukämie: Letzte Rettung Nächstenliebe

Jennifer Cristina Rodriguez kämpft um ihre Zukunft. Die in Flensburg lebende 22-jährige Kolumbianerin erkrankte vergangenes Jahr an Leukämie, und ihre Krankenkasse kündigte prompt den Versicherungsvertrag. Monat für Monat laufen bei der schwer kranken jungen Frau aus Südamerika Kosten für Medikamente von weit über 1000 Euro auf.

Alles sollte gut werden. Maschinenbau wollte sie in Deutschland studieren, und weil ihre elf Schuljahre in Barranquilla nicht ausreichten, belegte Jennifer in Kiel ein Kolleg, um die Fachhochschulreife zu erlangen. Das erste Etappenziel hatte sie dicht vor Augen. Doch am 13. Oktober 2006, kurz vor Abschluss des Kollegs, kam aus heiterem Himmel der Schicksalsschlag: Fieber, Schwäche – "es geschah ganz plötzlich", sagt die junge Frau. Sie dachte an Grippe, aber es war keine Grippe. Es war akute Melyose Leukämie.

Nachdenklicher Blick in die Zukunft: Jennifer Rodriguez trägt die Spuren der Chemotherapie (Foto: Iwersen)

Das ist kein Todesurteil. Die Heilungs-Chancen in Deutschland sind sehr gut, sagt Jennifer. Aber die Krankenkasse spielte nicht mit. Knapp sechs Wochen nach der Diagnose bekam die Auslandsstudentin Post aus Süddeutschland. Im Umschlag waren keine Genesungswünsche. Im Umschlag befand sich eine Kündigung. Die Würzburger Versicherungs AG hatte die Reißleine gezogen. Geld ist stärker als Moral, und das liest sich im Krankenbett dann so: "Der Vertrag läuft zum 1.4. 2007 ab. Eine Vertragsverlängerung ist nicht möglich. Freundliche Grüße aus Würzburg . . ." Wenn Jennifer das so erzählt, aus der Erinnerung, werden ihre dunklen Augen noch dunkler. "Das war ein schlimmer Moment“, sagt sie leise. "Ein ganz schlimmer Moment."

Einer mit Nebenwirkungen. Jennifer bemühte sich bei der José Carreras-Stiftung und vielen anderen um Hilfe - ohne Erfolg. "Man teilte mir mit, dass Stiftungen mir ohne den Schutz einer Krankenversicherung nicht helfen können."

Immerhin: Die Würzburger mussten noch die (erfolgreich verlaufene) Knochenmarkstransplantation in der Kieler Uni - Klinik zahlen. Das war’s dann aber auch. Seit acht Wochen ist Jennifer Cristina Rodriguez auf sich allein gestellt. Wie sie das schafft? Familie, Freunde, die freundlichen Kieler Ärzte die sie behandeln und über Geld nicht reden. Lebensmut. Aber lange wird das nicht mehr dauern, fürchtet Jennifer.

Zu denen, die eine schwere Erkrankung unter anderen Gesichtspunkten betrachten als eine Aktiengesellschaft, gehört Frank Huber. Der 45-Jährige spricht perfekt spanisch und hat gute Kontakte zur Flensburger Latino - Szene. Auch zu Jennifer, seit fünf Jahren schon. Huber hat aus eigener Kraft eine Hilfsaktion begonnen, um die weiteren Behandlungskosten für die junge Kolumbianerin aufzutreiben. "Wenn wir nichts machen, stürzt irgendwann alles zusammen", sagt er. "Bei ihrer Familie in Barranquilla ist der finanzielle Rahmen ausgereizt. Für das Ticket, mit dem Jennifers Mutter Mercedes nach Deutschland flog, hatten die Nachbarn zusammengelegt."

Die Folgen für Jennifer Rodriguez schätzt Huber, der selbst lange in Kolumbien lebte, als dramatisch ein. „Wenn sie ihre Krankenbehandlung nicht bezahlen kann, erlischt das Visum. Dann kann sie nicht weiter studieren und muss zurück. Die Behandlungschancen in Mittelamerika sind mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen."

Ein Jahr noch muss die junge Frau die Behandlung fortsetzen. Das bedeutet Medikamente, ärztliche Behandlung, Fahrtkosten. Huber setzt die monatlich erforderliche Summe deutlich über 1000 Euro an. Und die will er sammeln. Im gesamten Stadtgebiet hat er kleine Sammelbüchsen mit dem Bild von Jennifer aufgestellt. Auch im Kreis hat er die Einzelhändler und Gastronomen aktiviert. Eine Tombola auf dem Flensburger Kunstkilometer wird nur für die Kolumbianerin ausgespielt. Für die treuhänderische Verwaltung der Spenden steht Rechtsanwalt Ralf Tervooren in Steinbergkirche gerade. Kleine Schritte, die Jennifer nach dem Tiefpunkt im November wieder Mut machen. "Vielleicht geht ja alles gut", sagt sie lächelnd. "Dann bin ich in einem Jahr wieder gesund!"

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